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Chris Rupp
Portrait von Chris Rupp, geboren 1967 in Nürnberg, absolvierte ihr Informatik-Studium von 10/86 bis 09/91 an der Fachhochschule Nürnberg. Drei Jahre lang war sie zunächst für die Siemens AG als Systemanalytikerin tätig, bis sie 1994 zur Rösch Consulting GmbH wechselte. Dort war sie für den Aufbau und die Leitung der Geschäftsstelle Süd verantwortlich. 1995 gründete Chris Rupp die Firma SOPHIST GmbH. 1998 rief sie mit der SOPHIST Technologies GmbH ein weiteres Unternehmen ins Leben. In beiden Firmen der SOPHIST GROUP ist sie geschäftsführende Gesellschafterin.
Ihr Unternehmen SOPHIST trägt den Untertitel "Gesellschaft für innovatives Software-Engineering". Was verstehen Sie darunter und welche Techniken und Methoden setzen Sie ein?
Wir fokussieren uns vor allem auf objektorientierte und natürlich sprachliche Methoden und Notationen. Die Unified Modeling Language (UML) ist wohl jedem Informatiker ein Begriff. Sie ist eines unserer Hauptspezifikationsmittel. Da heute aber bei weitem noch nicht alles objektorientiert modelliert, sondern vieles textuell in Prosa-Spezifikationen dokumentiert wird, haben wir uns auf Sprache als Kommunikationsmedium spezialisiert. Wir haben Methoden erfunden, wie Sie in natürlicher Sprache eine sehr exakte und dabei gut lesbare und umsetzbare Spezifikation erstellen können. Dazu haben wir Know-how aus gesprächstherapeutischen Ansätzen (z.B. NLP) in die Informatik transformiert. Dieses SOPHIST-Regelwerk wurde erfolgreich in einem Buch publiziert und wird heute in vielen großen Konzernen systematisch eingesetzt. Insgesamt haben wir es uns zu eigen gemacht, auch über den Tellerrand der Informatik zu blicken und Wissen aus anderen Bereichen in die Informatik zu transferieren.
Und was machen die Aufgaben, Chancen und Schwierigkeiten Ihrer Rolle als Geschäftsführerin aus?
Als Geschäftsführerin bin ich für das Gesamtwohl meiner beiden Unternehmen verantwortlich. Neben einer Fokussierung auf eine klare inhaltliche Strategie, die ich mit vorgeben muss, landen noch viele weitere Themen auf meinem Tisch. Angefangen von einer Gesamtbudgetplanung über die Diskussion, z.B. des Marketingbudgets mit der Marketing- und Vertriebsleiterin, liegen einige Finanzthemen in meiner Verantwortung. Der zeitaufwändigste, aber auch spannendste Teil meiner Tätigkeit ist und bleibt die Mitarbeiterführung. Es ist anspruchsvoll, aber auch sehr spannend, aus einer Ansammlung kompetenter Menschen ein erfolgreiches Unternehmen zu formen.
Wie beurteilen Sie das Verhältnis zwischen der Software-Engineering-Ausbildung an einer Hochschule zu Ihrer erlebten Praxis des Software-Engineering?
Meine Sicht ist hier sicherlich subjektiv, da ich das Thema für sehr wichtig halte. Meiner Meinung nach hat die Ausbildung in der FH eine gute Grundlage für den Weg in die Praxis gelegt, aber ich hätte gerne mehr in diesem Bereich gelernt. Der Stand des Software-Engineering in der industriellen Praxis schwankt sehr. Es gibt Unternehmen, die derartig professionell Systeme entwickeln, dass es einem selbst als sehr erfahrenen Berater schwer fällt, viel Verbesserungspotential aufzuzeigen. Andere Unternehmen befinden sich noch in der Steinzeit der Systementwicklung. Hier kann man mit grundlegenden Erkenntnissen bereits fundierte Hilfe leisten.
Was haben Sie in Ihrem Studium besonders geschätzt?
Die persönliche Atmosphäre der FH Nürnberg. Man kannte sich untereinander im Semester, griff sich gegenseitig mal unter die Arme und hatte neben all dem Stress auch viel Spaß. Gespräche mit den Professoren waren normal, und man ging auch mal zusammen ein Bier trinken.
Haben Sie Anregungen für FH-Professoren, worauf sie bei der Ausbildung Studierender besonders achten sollten?
Mir waren bei Profs immer die Fachkompetenz und die Vermittlungskompetenz wichtig. D.h. ein Prof sollte wissen, wovon er spricht (und das Wissen auch industrietauglich oder forschungstauglich und aktuell sein). Zudem sollte er auch befähigt sein, sein Wissen spannend und fundiert zu vermitteln.
Ich hatte immer Probleme mit Profs, die Studenten nicht als Ihre Kunden und Auftraggeber betrachtet haben.
Zudem sollten Profs nie vergessen, dass sie mit Jugendlichem in einem Alter arbeiten, bei denen Sie als Rollenmodelle dienen, deren Bild von Führung, Vertrauen, Machtgebrauch sie entscheidend prägen.
Worin sehen Sie das Besondere bei einem Fachhochschulstudium?
Am Praxisbezug. Ich konnte im Rahmen der Praktika ein gutes Gefühl dafür entwickeln, ob ich mir ein Leben als Informatikerin überhaupt vorstellen kann. Zudem bekam ich relativ früh einen recht konkreten Eindruck davon, welche Bereiche der Informatik ich für unheimlich spannend hielt (Systemanalyse und Systemdesign) und welche Bereich ich später, wenn überhaupt, dann nur kurzfristig zur Wissensfestigung anstreben würde (z.B. Implementierung)
Wie schätzen Sie die Aufstiegschancen für Informatikabsolventen der Fachhochschule ein?
Sehr gut. Absolventen der FH haben bis zum Ende des Studiums bereits konkrete praktische Erfahrungen, z.B. im Umgang mit Kunden, Auftraggeber, Teams von Kollegen und erleben nicht mit knapp 30 Jahren das erste mal eine reale Projektsituation. Derartige reale Projektsituationen lassen sich in keinem Rollenspiel, in keiner Simulation wirklich hautnah erfahren.
Was sind nach Ihrer Erfahrung die persönlich entscheidenden Faktoren für Ihren jetzigen beruflichen Erfolg?
Eine ehrliche Auseinandersetzung mit meinen Stärken und Schwächen. Eine klare Bestimmung meiner Ausgangssituation, die Definition meiner Ziele und Wunschvorstellung und dann natürlich auch das Ableiten konkreter Maßnahmen, die zum Erfolg führen. Und vor allem Lust an dem, was ich tue, und am Erfolg.
Zudem kann ich nur jedem Informatikstudenten empfehlen, selbstbewusst mit seinem Wissen und seinen intellektuellen Fähigkeiten umzugehen. Ich z.B. habe meine Diplomarbeit gleich als Buch an einen Verlag verkauft und damit veröffentlicht. Seitdem habe ich 5 weitere Bücher veröffentlicht, die sich alle sehr gut verkaufen und einiges zu meinem Image beigetragen haben.
Was sollten Absolventen zusätzlich zum erworbenen Wissen noch mitbringen?
Persönliche Kompetenz. Softwareprojekte sind große gruppendynamische Happenings. Da spielt zwar auch fundierte Fachkompetenz eine Rolle, vor allem aber auch eine hohe persönliche Kompetenz - und die muss eben reifen. Je früher dieser Reifeprozess startet, desto eher macht der teilweise auch sehr konflikt beladene Umgang mit Teams wirklich Spaß.
Welche Tipps können Sie FH-Absolventen für ihr Studium geben?
Sie sollten an Fachwissen mitnehmen, was geht. Während des Studiums empfand ich einige Vorlesungen mehr als Belastung denn als Bereicherung. Heute würde ich mir die Finger danach abschlecken noch mal so viel Zeit und Freiraum zu bekommen, um mich wirklich fundiert mit vielen Themen auseinander zu setzen. Zudem ist es als Student wichtig, die richtige Einstellung zum Studium zu gewinnen.
Und welche Tipps können Sie FH-Absolventen für ihre Berufslaufbahn geben?
Ich empfehle Absolventen wählerisch zu sein. Das Berufsleben kann unheimlich Spaß machen, wenn man sein Thema gefunden hat und in einem Unternehmen/Team arbeitet, das einen persönlich und fachlich voran bringt. Jeden Tag, an den man Dinge tut, die einem überhaupt nicht liegen, jede Stunde, die man in einem unangenehmen Team verbringt, könnte man besser investieren.





